Medientreffpunkt Mitteldeutschland

Nachrichten


Sie sind die Grundlage der Entwicklung moderner Medien: Nachrichten bzw. ihre Vermittlung bilden die Basis der journalistischen Arbeit. Angesichts des Informationsüberflusses in heutiger Zeit kommt der Rolle der J0urnalisten als Vermittler von Nachrichten eine gestiegene Bedeutung zu. Denn anhand spezifischer Kriterien – so genannter Nachrichtenfaktoren – selektieren die Medienmacher die einlaufenden Informationen und bereiten sie in Print, Rundfunk und Online für ihre Leser, Zuschauer und Hörer auf.

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Nachrichten entstehen ständig und überall. Sie aufzubereiten und zielgruppengerecht zu vermitteln, ist Kompetenz und Aufgabe moderner Medien.

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In diesem Prozess stellt sich für die Empfänger, also die Mediennutzer, zunehmend die Frage: “Kann man den Medien vertrauen?” – Eine berechtigte Frage angesichts immer neuer Akteure im breiten Feld der medialen Berichterstattung. Wer heute Nachrichten vermittelt, muss längst nicht mehr ausgebildeter Journalist sein. Inzwischen recherchieren und schreiben auch ambitionierte Amateur-Reporter, häufig Blogger, tages- und sogar stundenaktuelle News, die sie dank innovativer Kanäle an ein großes Publikum verbreiten. Journalistisches Handwerk – und damit beispielsweise die Wahrung der Sorgfaltspflicht – bleibt dabei nicht selten auf der Strecke.

Dass es in der Vermittlung von Nachrichten nicht einfach nur um das Weiter-Twittern von Informationen geht, oder um das Senden des Video-Materials einer Social-Media-Agentur, dessen sind sich Nachrichtenredakteure mit journalistischem Hintergrund wohl bewusst – vom Reporter vor Ort bis zum Sprecher im Studio. Allein das Gewichten und Bewerten der Inhalte nach Nachrichtenfaktoren wie Relevanz, Nähe oder Betroffenheit bedarf eines konkreten Bewusstseins für die Bedeutung und Definition dieser Kriterien.

Alle Informationen in der Übersicht

 

Wie sieht moderner Nachrichtenjournalismus aus?

Brauchte es in früheren Jahren ein breites Korrespondentennetz, um alles berichten zu können, was Nachrichtenwert besitzt, so ist es heute dank moderner Medien weniger das Erhalten von Informationen, sondern die Selektion, die die größte Herausforderung darstellt. Damit befinden sich auch Modelle wie die von Nachrichtenagenturen im Wandel, die darauf basieren, dass zahlreiche Vor-Ort-Berichterstatter in vielfältigen kurzen Meldungen eine große Bandbreite an Themen abdecken. Umso bedeutsamer ist es heute, sich über Nachrichten-Faktoren im Klaren zu sein, die die Grundlage der Auswahl der berichtenswerten Meldungen bilden. In anderen Worten: Die Basis ist auch heute noch journalistisches Handwerk – das jedoch weniger in der Grund-Recherche als vielmehr in der Bewertung der Inhalte zum Einsatz kommt.

Die Herausforderung besteht vor allem darin, festzustellen, welche Informationen authentisch und glaubwürdig und welche Nachrichten-Quellen zuverlässig sind. Das gilt für jegliche Inhalte – also neben Text-Meldungen auch für Fotos bzw. Bildmeldungen sowie für Videos.

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Nachrichtenfaktoren

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Der User ist sich nicht bewusst, welcher Prozess hinter der Erstellung von Nachrichten steckt - er bewertet lediglich, ob die Informationen für ihn spannend sind.

In der Einschätzung dazu, ob eine bestimmte Meldung berichtenswert ist, orientieren sich Journalisten an verschiedenen Kriterien für den Nachrichtenwert , anhand derer sich festmachen lässt, ob ein Thema aufgegriffen und verbreitet werden sollte.

Zu diesen Kriterien gehören beispielsweise die Punkte Nähe (im englischen Sprachraum genannt: proximity/nearness),Konflikt (im Englischen: conflict/controversy),Überraschung (die sog. oddity), Prominenz (also die Einbindung von “big names”). All diese Faktoren müssen für die Bewertung des Nachrichtenwertes einer Meldung in Bezug zur angestrebten Zielgruppe gesetzt werden. Denn: Wer in einem bestimmten regionalen Raum eine hohe Prominenz hat (beispielsweise ein Landrat), ist auf nationalem Level eher unbedeutend. Von daher wird eine entsprechende Meldung für die Printmedien der Region spannend sein – aber nicht für bundesweite Blätter oder Online-Dienste.

Da die Professionalisierung auf Seiten von Nachrichten-Lieferanten mit PR-Hintergrund stetig zunimmt, werden die Faktoren für spannende News oft schon von Sender-Seite sichergestellt. Das Interesse solcher Informanten liegt natürlich darin, über das eigene Thema Berichterstattung zu erhalten. In einem solchen Fall muss von journalistischer Seite besonders darauf geachtet werden, Objektivität im Artikel zu wahren – beispielsweise durch eine zusätzliche Recherche, die die PR-Positionen hinterfragt bzw. gegen andere Positionen stellt.

 

Die Macher der News

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Der klassische Nachrichtenjournalismus sieht sich heute in einem starken Wettbewerb zu Quereinsteigern aus Online-Portalen und Fach-Foren.

Nachrichten werden heute von zahlreichen Quellen gespeist: War es früher oft eine Herkulesaufgabe für Vor-Ort-Korrespondenten, in mühsamer Recherche herauszufinden, wo etwas Spannendes passiert war, so finden die Themen heute dank moderner Online-Kanäle oft quasi von selbst in die Öffentlichkeit.

Die neuen Quellen des Nachrichtenjournalismus sind deshalb Online-Multiplikatoren, die vorrangig mittels Sozialer Netzwerke Nachrichten bzw. die Informationen, die die Grundlage medialer News bilden, verbreiten. Und es halten auch nicht mehr nur professionelle Rundfunk-Kamerateams der etablierten Sender ihre Objektive drauf, wenn sich etwas nachrichtlich Relevantes tut. Vielmehr kommen Bewegtbild-Inhalte zunehmend aus journalistisch nicht-professionellen Quellen, schließlich kann inzwischen jeder Handybesitzer mitfilmen, wenn sich spontan eine news-würdige Situation entwickelt.

Und während die klassischen Kanäle Print und Rundfunk in der Verbreitung der Nachrichten ihre Positionen behaupten, entwickelt sich im Internet zunehmend eine Alternativ-Kultur für die Aufbereitung von News-Informationen. Hier sind im Speziellen Fachportale von Bedeutung, die sich tiefgehend mit einem Thema beschäftigen, sowie Sammel-Seiten, die die Meldungen anderer Quellen zusammenfassen.

Für Journalisten sind dies gleichermaßen gute wie schlechte Neuigkeiten: Auf der einen Seite entwickeln sich so neue Kanäle für die Generierung von Themen, auf der anderen Seite steigt damit der Konkurrenzdruck um die Aufmerksamkeit der User.

Beispiele für die neuen Medienformen:

  • netzeitung.de
  • heise.de
  • deutschlandecho.org
  • alles-schallundrauch.blogspot.com
  • radio-utopie.de
  • deutsche-mittelstands-nachrichten.de

 

So funktionieren Nachrichten auf verschiedenen Kanälen

Die Kanäle verändern sich, eines bleibt gleich: Eine Nachricht wird immer nach dem Prinzip der umgekehrten Pyramide erzählt. Das heißt, zu Beginn werden die so genannten W-Fragen beantwortet, danach folgend ergänzende Informationen, zum Abschluss gibt es Hintergrund-Infos. Das Prinzip beruht darauf, dass, falls nötig, von hinten gekürzt werden kann, ohne dass essentielle Inhalte verloren gehen. Allerdings ergibt sich in der Bedeutung der einzelnen Medien für das Verbreiten von Nachrichten eine Veränderung: So hat sich das Internet aufgrund seines nahezu Live-Charakters inzwischen zum wichtigsten Nachrichtenkanal entwickelt – während Rundfunk und vor allem Print als Nachrichtenkanäle zunehmend an Bedeutung verlieren.

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Auf den Kopf gestellt: die Nachrichtenpyramide

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Vom Kern zur Hintergrundinfo: Der Aufbau einer Nachricht folgt klaren Regeln.

Die Information zählt, nicht der chronologische Ablauf: So lässt sich das Prinzip zusammenfassen, auf dem die Nachrichtenpyramide aufgebaut ist. Dabei werden in den ersten 1-2 Sätzen die wichtigsten Fragen beantwortet, die so genannten W-Fragen: Wer hat Was Wann Wo Warum und Wie getan/erlebt und auf Welche Quelle ist diese Information zurückzuführen? In den nachfolgenden Sätzen werden diese Inhalte weiter vertieft. Dies kommt dem Anspruch des Nachrichten-Konsumenten nach schnellem Erfassen der News entgegen – denn Meldungen werden heute nicht mehr “gelesen” oder “angesehen” – sie werden “gecheckt”, quasi im Vorbeigehen mitgenommen.

Neben dem optimalen Aufbau eines nachrichtlichen Artikels muss deshalb auch der Stil zum Bedürfnis nach schnellem Konsumieren einer Meldung passen . Nachrichten-Schreiben bedeutet, im News-Stil zu arbeiten: Einsatz kurzer, knapper Sätze – möglichst mit Verzicht auf Verschachtelungen; Nutzung einfacher, allgemeinverständlicher Wortwahl und Formulierungen; Anwendung so genannter Sprach-Stereotypen (beispielsweise “Staatschef” für das Oberhaupt einer Nation). In der Nachrichten-Produktion für Fernsehen und Radio kommt noch der Anspruch hinzu, dass der Stil des gesprochenen Wortes getroffen werden muss.

Sich kurz und bündig zu fassen, ist für viele Nachrichtenredakteure eine echte Herausforderung – nicht wenige sehen deshalb das Erstellen einer perfekten Meldung als teilweise aufwendiger als das Erstellen eines umfassenden Berichts oder einer Reportage an. Mit wenigen Worten auf den Punkt genau viel zu sagen – und dabei von allen verstanden zu werden, ist ebenso wie das Selektieren der richtigen News eine Fähigkeit, die auf professionellem journalistischem Handwerk basiert.

Auf die Spitze getrieben wird der Anspruch nach “kurz, knapp, allgemeinverständlich” durch den Microblogging-Dienst Twitter. Diesen Kanal nutzen immer mehr Nachrichten-Medien, allen Voran die Online-Ableger großer Verlage und Print-Publikationen, um ihre Online-Abonnenten – bei Twitter als “Follower” bezeichnet – mit News zu versorgen. Die große Kunst der Nachrichten-Erstellung in 140 Zeichen ist es, genug zu sagen, um Spannung zu erzeugen – ohne bereits zuviel zu verraten. Denn schließlich soll der Follower vom Tweet auf die Meldung auf der Verlags-Website gelotst werden.

Wie für die Erstellung “großer” Darstellungsformen, so zählt auch bei der Nachrichten-Produktion Sorgfalt und Nachrecherche zu den wichtigsten Voraussetzungen hochwertiger Berichterstattung. Das heißt, Informationen, speziell solche aus PR-Quellen, sollten nicht für bare Münze genommen und ungeprüft veröffentlicht werden, sondern durch Nachfragen und ggf. Checken anderer Quellen verifiziert werden.

Sämtliche Regeln und Prinzipien der News-Produktion gelten natürlich sowohl für hard news als auch für soft news.

 

Wie werden Nachrichten konsumiert?

In zunehmendem Maße gilt für die News-Vermittlung nicht mehr nur: Go Online! – sondern inzwischen heißt es: Go Mobile! Denn das Mediennutzungsverhalten entwickelt sich immer weiter hin zum Einsatz mobiler Geräte wie Smartphones und Tablet-PCs, über die Informationen jederzeit und überall empfangen, abgerufen und konsumiert werden. Damit gewinnt zum einen die Ad-hoc-Berichterstattung einen immer größeren Stellenwert, zum anderen genügt die bloße Website als Transportmedium inzwischen kaum mehr. Apps und der Einsatz von Social Media-Kanälen sind hier für viele Medien das Mittel der Wahl, um die mobilen Massen zu erreichen.

 

Zukunftsperspektiven

Es zeichnet sich ab, dass die Nutzung der Leser und Zuschauer immer weiter weg geht von der Treue zu konkreten Medien-Titeln. Vielmehr setzt sich ein Großteil der Nutzer bereits heute durch RSS-Feedreader, Twitter-Timelines und ähnliches seine ganz eigene, komplett interessensgesteuerte News-Welt zusammen. Und darin finden nicht mehr ganze Medien Aufnahme – sondern nur noch die Teile der Medien-Angebot, die den Interessen des jeweiligen Individuums entsprechen. Das ist nicht weit weg von früherer Nutzung: Schon immer gab es diejenigen, die bei der Tageszeitung lediglich die Nachrichten im Sport-Teil konsumierten. Im Gegensatz zu früher müssen sie heute aber den ganzen Rest – also Mantel, Ratgeber-, Wirtschafts-, Politik- und Regionalressort nicht mit abonnieren, sondern können sich nur in der Welt der Sportberichterstattung bewegen. Dieser Individualismus, dieses Aufsplitten in immer diversifiziertere Unter-Zielgruppen ermöglichen das zielgenaue erreichen Einzelner – aber nicht mehr das nach Gießkannenprinzip betriebene Erreichen der Massen mit einzelnen Nachrichten.

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Selektive Mediennutzung nimmt zu: Vor allem für klassische Nachrichtenmedien sind die veränderten Nutzungsgewohnheiten eine große Herausforderung.

 

Was heißt das für die Nachrichten-Macher?

Im Grunde müssen Redakteure heute ein noch viel genaueres Bild ihrer Leser und Zuschauer haben, als früher. Und sie müssen sich bewusst sein, dass die Konsumenten mündig geworden sind – dass sie in ihrem jeweiligen Interessensfeld extrem gut informiert und sehr meinungsstark sind und diese Meinung auch zum Ausdruck bringen möchten. Rückkanal-Angebote und Qualität in der Nachrichten-Erstellung – bei rasanter Produktionsgeschwindigkeit in nahezu Echtzeit zu den Geschehnissen – sind deshalb Gebote der Stunde für moderne News-Macher. Für Verlage ist dies insofern eine gute Nachricht, als dass es bedeutet, dass Qualitätsjournalismus auch zukünftig eine wichtige Rolle spielen wird. Wie dieser Anspruch allerdings dauerhaft gehalten und befriedigt werden kann, dazu bedarf es neuer Modelle für die Finanzierung auch von News-Angeboten im WWW.

 

Zusammenfassung:

  • Nachrichten sind heute vor allem die Domäne der Online-Berichterstattung.
  • Für die klassischen Kanäle heißt das: Hintergrundberichterstattung und regionale Kompetenz ausbauen.
  • Die Akteure im Markt der News-Produktion wandeln sich: Nicht mehr nur Journalisten machen Nachrichten, auch ambitionierte Amateure mischen mit.
  • Das Prinzip der Nachrichtenpyramide gilt heute ebenso wie früher.
  • Die Kenntnis von Nachrichtenfaktoren und die Fähigkeit zur Bewertung und Selektion von Informationen sind heute wichtiger als je zuvor.
  • Die veränderten Medien-Nutzungsgewohnheiten bestimmen die Vermittlungskanäle.
  • Nachrichten müssen in aller Kürze den Leser oder Zuschauer abholen, interessieren und informieren – angesichts der gestiegenen Informationsflut eine stetige Herausforderung für Redakteure in den News-Redaktionen.